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Denkmäler in Gefahr #1 – Die Dorfkirche Dambeck

Die Dorfkirche von Dambeck ist nicht nur ein einzigartiges Juewl gotischer Baukunst, sie beherrbergt auch jede Menge Schätze und Geheimnisse. Doch jetzt sind diese vom Zerfall bedroht und brauchen dringend Hilfe.

Bedrohte Gruften und Geheimnisse

Nachts möchte wohl niemand alleine auf dem alten Friedhof vor der Dorfkirche von Dambeck stehen. Spitz sticht der Turm in den dunklen Himmel und vor dem wenigen Licht, das der Mond spendet, zeichnen sich die Umrisse der Grabsteine ab. Von einer Stelle auf dem alten Friedhof halten sich die Bewohner der Gemeinde besonders fern. Ein altes, verrostetes Gitter unter einem Baum auf dem Friedhof. Wie zufällig wird es von Feldsteinen umrahmt, die von Moos und Efeu überwachsen sind. Ein altes Grab, doch was genau sich unter dem Gitter befindet weiß in der Gemeinde heute niemand mehr. Auch wenn die alten Legenden, die sich um diesen mystischen Ort ranken, inzwischen vergessen sind, so sind sich doch alle stillschweigend einig, dass man sich dem alten Grab besser nicht zu sehr nähern sollte.

Ein schützenswertes Juwel

Bei Tageslicht sieht der Ort jedoch gleich ganz anders aus. Die Grabsteine sind auf einer gepflegten Grünfläche um die alte Backsteinkirche angeordnet. 800 Jahre alt ist die Kirche der 220 Seelen-Gemeinde Dambeck im Kreis Salzwedel in der Altmark. Fast unverändert blieb sie seit ihrer Erbauung 1175 – ein Juwel romanischer Baukunst. Entstanden ist das Gebäude inmitten einer bäuerlichen Siedlung während der Ostkolonisation. Je näher man es betrachtet desto mehr mittelalterliche Details fallen dem aufmerksamen Auge auf. Noch heute kann man an Löchern in der Fassade erkennen, wo vor 800 Jahren ein Baugerüst stand. An den Fenstern sind noch Spuren der alten Schalung zu erkennen. Das nördliche Eingangsportal und die Priesterpforte hingegen sind noch durch die mittelalterlichen Bohlentüren mit rostigen Originalbeschlägen geschützt. Kirchenschiff, Chor, Westturm und Apsis sind der romanischen Bauweise entsprechend wie Klötzchen aneinandergebaut. Einzig der fünfzehn Meter hohe Turm, der wohl als Zufluchtsort vor Angreifern diente, wurde augenscheinlich später erbaut.

Die Zeit drängt

Von außen wurde die Kirche bereits saniert, doch in ihrem Inneren ist ihr Zustand besorgniserregend. Holzwürmer hinterlassen kleine Häufchen aus Holzmehl auf dem Boden. Algengrün ist an den Sockeln zu erkennen, die Luft riecht modrig. Der Boden ist uneben und vor dem Altar bereits abgesunken – vermutlich befindet sich darunter eine Gruft. Ein großer Teil der bedeutenden Ausstattung der Kirche wurde bereits in Sicherheit gebracht, doch viele wunderschöne Artefakte sind immer noch vom Zahn der Zeit bedroht. Neben den seltenen Schätzen, die es zu bewundern gibt, gibt es in der Kirche auch noch zahlreiche alte Geheimnisse zu lüften. Darüber hinaus würden die Bewohner der Gemeinde die Kirche gerne wieder für Hochzeiten, Taufen und Gottesdienste nutzen – ohne sie vorher stundenlang reinigen und instand setzen zu müssen. Doch für die dringend notwenige Innensanierung braucht es finanzielle Mittel. Die Bewohner Dambecks hoffen auf jede Hilfe, die sie kriegen können. Damit dieser sagenumwobene Ort seine Besucher noch lange in seinen Bann ziehen und ihre Fantasie verzaubern kann.

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Richard Keller

Richard Keller ist Denkmal-Gutachter und engagiert sich privat für den Schutz bedrohter Denkmäler.

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