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Das Hugenottenhaus in Hammelspring

Einst fanden die verfolgten Hugenotten auf diesem Hof Zuflucht, nun ist er ein einzigartiger Zeitzeuge jahrhundertealter Geschichte. Doch das berühmte Hugenottenhaus ist vom Verfall und seine Geschichten vom Vergessen bedroht.

Erinnerungen an Unterdrückung und Verfolgung

Sie litten unter Diskriminierung, Terror und Entrechtung. Was ihnen blieb, war die Wahl zwischen einem Leben im Elend, oder Flucht und Verfolgung. Viele der Hugenotten entschieden sich für die lebensgefährliche Flucht, als König Ludwig XIV im Jahre 1685 das Edikt von Fontainebleau erließ. Damit wurde die seit dem Erlass des Ediktes von Nantes und seit 1598 währende Phase der rechtlich gesicherten Koexistenz von Katholiken und Hugenotten beendet. Was den Hugenotten drohte, war ein Leben in Unterwerfung. Ihre Verfolgung erreichte in den Jahren nach der Verabschiedung des Ediktes ihren Höhepunkt, weshalb viele sich dazu entschieden, Frankreich zu verlassen. Dazu ermutigt wurden sie unter anderem vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Er versprach ihnen Unterstützung. Und sichere Unterkünfte in Brandenburg, von denen einige noch heute existieren.

Einzigartiger Zeuge seiner Zeit

Einst gab es viele dieser ländlichen Häuschen, die als Zeugen aus dem 18. Jahrhundert von der Einwanderung der sogenannten Réfugiés in Deutschland erzählen konnten. Doch heute existieren kaum noch solche Bauwerke, die meisten sind dem Verfall anheimgefallen. Wer noch eines dieser seltenen Zeugnisse der Geschichte besuchen möchte, kann dies in Hammelspring, einem Straßendorf in der Uckermark, südlich von Templin, tun. In diesem Haus, das heute als Hugenottenhaus bekannt ist, fand 1762 die Flüchtlingsfamilie Andrée einen sicheren Unterschlupf. Dieses Hugenottenhaus ist etwas ganz Besonderes. In all den Jahren seit seiner Erbauung hat es nur wenig bauliche Eingriffe gegeben. Daher ist es kaum verändert und so authentisch, wie kaum ein Denkmal aus dieser Zeit. Fachleuten gewährt es seltene und ungemein wertvolle Einblicke in das Leben der Bauern der damaligen Zeit. Ein Zeuge der Geschichte, wie man ihn nur selten findet. Aus diesem Grund ist auch viel über die Geschichte dieses Hauses bekannt. Die Experten konnten seine Historie soweit rekonstruieren, dass wir heute wissen, dass ein Mann namens Pierre Andrée das Haus 1762 in zweiter Hugenottengeneration auf einer alten Hofstelle errichtete, einige Zeit nach dem Tod seines Vaters. Es ist ein schlichtes Wohnspeicherhaus, in dessen Erdgeschoss gewohnt und in dessen Ober- und Dachgeschoss Vorräte gelagert wurden. Möglich wurde den mittellosen Kolonisten die Erbauung solcher Gebäude durch die landesherrliche Betreuung. Diese stellte ihnen kostenfrei das Material zur Verfügung, nahm Einfluss auf die Orte der Ansiedlung, teilte ihnen unbewohnte Höfe als Eigentum zu und machte Vorgaben hinsichtlich der Bauweise. Bewirtschaftet wurden die Höfe anschließend von den Emigranten; erbaut wurden sie jedoch zumeist von Einheimischen. Aus diesem Grund wurden auch für die Kolonisten hauptsächlich die ab dem 17. Jahrhundert weit verbreiteten Ernhäuser erbaut. Dabei handelt es sich um bescheidene, aber zweckmäßige traufständige Fachwerkhäuser mit mittig liegenden, querschließenden Fluren. Diese werden häufig durch eine sogenannte schwarze Küche unterbrochen und trennen die nach vorn ausgerichteten Wohnstuben von den nach hinten ausgerichteten Schlafkammern.

Geschichte, vom Zerfall bedroht

Da die Hugenotten und ihre Nachfahren das Haus durchgängig nutzten, ist bis heute noch viel von der originalen Bausubstanz erhalten. Erst 1968 zog der letzte von ihnen, Willy Malingriaux, aus. Seitdem steht der Hof leer und verfällt nach und nach immer weiter. Das Gebäude war bereits vom Einsturz bedroht und konnte nur durch den extra gegründeten Verein „Hugenottenhaus Hammelspring e.V.“ gerettet werden. Doch alleine kann dieser ehrenamtliche Verein, trotz seiner engagierten Helfer, es nicht schaffen, das Gebäude zu bewahren. Sie benötigen finanzielle Hilfe, um das geschichtsträchtige Haus zu restaurieren und dabei so viel originale Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Damit es auch nachfolgenden Generationen noch lange seine Geschichte erzählen kann.

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Richard Keller

Richard Keller ist Denkmal-Gutachter und engagiert sich privat für den Schutz bedrohter Denkmäler.

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