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Das Elendenhaus in Pasewalk

Elendenhaus – dieser Begriff hat ursprünglich nichts mit dem beklagenswerten Zustand des Gebäudes in der Stadt Pasewalk zu tun. Dennoch passt er heute gut, denn das Haus muss dringend saniert werden. Im Mittelalter waren Elendenhäuser Einrichtungen, in denen fremde Obdachlose (sie wurden als „Elende“ bezeichnet) Unterschlupf fanden, wenn sie Hilfe und Pflege benötigten. Sogenannte Elendsbruderschaften waren für den Betrieb der Häuser zuständig; in Pasewalk gründete eine solche Bruderschaft eine Stiftung für die Armen- und Krankenpflege. Das hiesige Elendenhaus, das zum Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern gehört, ist das einzige von über 60 aus den märkischen Städten des Mittelalters, das heute noch erhalten ist. Diese Tatsache ist das beste Argument dafür, das Elendenhaus in Pasewalk zu erhalten.

Ein Haus, das Rätsel aufgibt

Das gotische Elendenhaus in Pasewalk schließt sich direkt an die südliche Mauer des Kirchhofs der evangelischen St. Marienkirche an und steht unter Denkmalschutz. In der im 12. Jahrhundert gegründeten norddeutschen Stadt ist es neben Teilen der Stadtmauer das einzige profane Bauzeugnis aus dem Mittelalter. Der etwa 80 Meter hohe Kirchturm der St. Marienkirche zeugt von der ehemals wichtigen Stellung der Stadt: Sie gehörte zum Hansebund und war durch den Getreidehandel reich geworden.

Die Bauweise des Elendenhauses gibt Experten jedoch einige Rätsel auf: Jede Seite des Gebäudes ist anders gestaltet, zahlreiche Nischen und Blenden mit unterschiedlichen Bogenformen, Breiten und Höhen sind in die Hauswand eingelassen. Zudem stimmt der Aufbau der Fassade nicht mit dem Innenleben des Hauses überein: Die Aufteilung im Innenraum ist eine ganz andere als das Haus von außen vermuten lässt. Obwohl aus Aufzeichnungen hervorgeht, dass das Denkmal überwiegend als nichtkirchliches Gebäude verwendet wurde, gibt die exakte Ost-West-Ausrichtung Hinweise auf einen Sakralbau. Auch das erst nachträglich im 18. Jahrhundert eingezogene zweite Geschoss lässt darauf schließen, dass das kleine Haus einmal als Kapelle diente. Bauhistoriker gehen aufgrund der außergewöhnlichen Gestaltung von verschiedenen Nutzungsweisen des Gebäudes aus, die teilweise auch belegt werden können.

Stadt und Elendenhaus haben schon Einiges hinter sich

Pasewalk war über die Jahrhunderte einigen Schicksalsschlägen ausgesetzt. So wurde die Stadt im Dreißigjährigen Krieg großflächig zerstört, um ab 1720 unter dem Preußischen König Friedrich Wilhelm I. wieder aufgebaut zu werden. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte die Rote Armee Pasewalk erneut; fast die gesamte historische Bausubstanz der Stadt wurde dabei vernichtet. Das vermutlich um 1400 errichtete Elendenhaus befand sich bis zu ihrer Auflösung während der Reformation im Besitz der Bruderschaft. Danach ging es an die Kirchengemeinde St. Marien über, in deren Obhut es bis heute ist. Die Kirche verwendete es zunächst bis 1563 als Spital, danach als Wohnung für Kirchenbedienstete und Gemeindesekretariat. Diese Funktion soll es nach Vollendung der geplanten Sanierungsarbeiten auch wieder einnehmen.

Zahlreiche Mängel führten zur Unbewohnbarkeit des Gebäudes

Das mangelhafte Fundament und der schlechte Baugrund des Elendenhauses sind der Ursprung allen Übels: Inzwischen befinden sich zahlreiche Risse im Mauerwerk. Durch kaputte Fugen und Ziegel dringt ständig Feuchtigkeit in das Gemäuer ein. Eine ehemals zum Schutz eingebaute Stahlverankerung ist stark korrodiert und erfüllt ihren Zweck nicht mehr. Im vergangenen Jahr mussten die bislang dort ansässigen Büros der Kirche aufgrund des bedrohlichen Zustandes des Hauses ausgeräumt werden. Nun steht es leer und wartet auf Hilfe. Für die dauerhafte Sicherung des Gebäudes müsste zunächst das Fundament standfest gemacht werden. An allen Gebäudeecken sollen Zuganker eingesetzt werden, um das Auseinanderbrechen des Elendenhauses zu verhindern. Da der Kirchengemeinde die Mittel zur Sanierung fehlen, bleibt zu hoffen, dass sich bald genügend Unterstützer für die Förderung des Denkmals finden.

  Die Dolphin Trust GmbH macht auf Denkmäler in Gefahr aufmerksam, um ihren Erhalt zu fördern.

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz

1973 gegründet setzt sich das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz für den Erhalt historischer Baudenkmäler sowie archäologischer und erdgeschichtlicher Andenken ein. Zum diesjährigen Europäischen Jahr des Kulturerbes, das unter dem Motto „Sharing Heritage“ stattfindet, liegt das besondere Augenmerk des Komitees auf der jungen Generation, damit das kulturelle Erbe in Europa auch in Zukunft nicht verloren geht. Der Appell des Komitees lautet daher, für eine frühzeitige Sensibilisierung der Jugend für den Denkmalschutz zu sorgen. Dazu gehört beispielsweise, denkmalpflegerische Berufe stärker zu fördern und sie attraktiv zu machen.

Ziele und Aufgaben des Komitees

„Lebensqualität wird geschaffen, wenn die historische Bausubstanz in gewachsenen Wohnstrukturen sensibel und fachgerecht erhalten wird“ – so heißt es beim Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz. Um dieses Credo tatkräftig zu untermauern, organisiert die Geschäftsstelle des Komitees laufend Veranstaltungen rund um das Thema Denkmalschutz. Ebenso werden regelmäßig Schriften veröffentlicht, in denen aktuelle Angelegenheiten aufgegriffen werden. Zielgruppen dieser Arbeit sind vor allem Meinungsführer aus Politik, Verwaltung und anderen gesellschaftlichen Sphären, um den Denkmalschutz in relevanten Kreisen zu platzieren und weiterzutragen. Denn eine der Kernaufgaben des Komitees ist es, Ziele und Aufgaben des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege in der Öffentlichkeit zu vermitteln.

1975 fand das Europäische Denkmalschutzjahr statt, bei dem Empfehlungen für die Förderung des Denkmalschutzes erarbeitet wurden. Daraus resultierte die heutige Auftragsgrundlage des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, die Denkmalschutz-Charta des Europarates. Auf Bundesebene bildet der Zusammenschluss aus ca. 200 Aktiven eine Klammer um die föderal organisierte Denkmalpflege. Das bedeutet, dass er als Schnittstelle zwischen Regierung, Verwaltung und der Fachebene fungiert. Aktuelle Themenschwerpunkte des Komitees sind u.a. die Energiewende und ihr Einfluss auf historische Bauten, Denkmalpflege und Integration sowie die Demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf den Denkmalschutz.

So setzt sich das Komitee zusammen

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz ist ein politisches und fachliches Gremium, das den Denkmalschutz und die Denkmalpflege in Deutschland maßgeblich beeinflusst. Organisatorisch ist die Geschäftsstelle bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien angesiedelt, derzeit Monika Grütters. Präsident ist jeweils einer der Landesminister, der der Ständigen Konferenz der Kultusminister (Kultusministerkonferenz) angehört. Dieses Amt wechselt alle drei Jahre, aktuell hat es Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, inne. Schirmherr ist stets der Bundespräsident. Unter den aktiven Mitgliedern ist die ganze Bandbreite der Gesellschaft vertreten: So findet man hier nicht nur Vertreter aus Bundes- und Landespolitik, sondern auch solche aus der Kirche, der Verwaltung, aus kommunalen Spitzenverbänden, Hochschulen oder den Medien. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass das wichtige Thema des Kulturerbes überall ankommt. Neben politischen Empfehlungen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen steht dem Komitee auch die Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz zu. Diese seit 1977 vergebene Auszeichnung ist die höchste auf dem Gebiet des Denkmalschutzes.

  Die Dolphin Trust GmbH engagiert sich ebenfalls für die Denkmalpflege und macht auf bundesweite Initiativen der Denkmalförderung aufmerksam, um die Aufmerksamkeit dafür zu erhöhen.  

Das immaterielle Kulturerbe der Dombauhütten

Dome und Kirchen nehmen seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle in Europa ein – sind sie für Christen doch der Ort der Zusammenkunft und des Gebets. Sie werden auch als Häuser Gottes bezeichnet. Aufgrund der langen und beständigen Tradition des Christentums stellen Sakralbauten einen wichtigen Teil der architektonischen Geschichte dar. Sie sind ein bedeutungsvolles Kulturgut und stehen häufig unter Denkmalschutz. Aber auch die Art und Weise sowie das Wissen darüber, wie Kirchen und Dome gebaut werden, sind schützenswert und gilt es daher auch heute noch zu fördern. Im 13. Jahrhundert entstand durch die Bauhütten eine neue Form der Bauorganisation: Der gotische löste den romanischen Baustil und die wandernden Baugruppen, die bis dahin üblich waren, ab. Im vergangenen Jahr forderten die europäischen Dombaumeister, ihr Handwerk auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes eintragen zu lassen. Inzwischen hat die dafür zuständige Kultusministerkonferenz in Deutschland entschieden, es auf die nationale Liste zu setzen. Das ist Voraussetzung für die Aufnahme in die UNESCO-Liste, worüber jedoch erst Ende 2020 abgestimmt wird.

Wissen über Dom- und Kirchenbau ist rar gesät

Auf dem europäischen Festland findet man nach eigenen Angaben ungefähr zehn bis fünfzehn Dombauhütten. In Deutschland zählen dazu beispielsweise die Hütten in Erfurt, Aachen oder Köln. Neue Kirchen und Dome werden heute nur selten gebaut. Die Hauptaufgabe der Bauhütten besteht deshalb vornehmlich darin, die Sakralbauten zu pflegen, zu restaurieren und für die Nachwelt zu erhalten. Europaweit findet dazu ein reger Austausch zwischen allen Dombauhütten statt – auf diese Weise wird Wissen und Können, auch über die Generationen hinweg, weitergegeben. Das ist wichtig, um die hohe Qualität beibehalten zu können.

Europaweit findet dazu ein reger Austausch zwischen allen Dombauhütten statt – auf diese Weise wird Wissen und Können, auch über die Generationen hinweg, weitergegeben. Das ist wichtig, um die hohe Qualität beibehalten zu können. Und trotzdem beklagen sich die Dombauer über fehlenden Nachwuchs und mangelnde Anerkennung ihres Handwerks. Sie haben Sorge, dass ihre Arbeit in Zukunft vernachlässigt werden wird. Die Aufnahme in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes soll den Hütten einen Aufschwung verleihen und ihnen den Status verschaffen, den sie verdienen. Denn mit ihrer internationalen Bedeutung und Vernetzung leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Laut UNESCO zählen dazu „lebendige Traditionen, Ausdrucksformen, menschliches Wissen und Können sowie darstellende Künste“. Die Kirchen selbst zählen zum Weltkulturerbe.

Die besondere Stellung der Dombauhütten

Die Anstellung in einer Dombauhütte ist kein gewöhnlicher Beruf. Die Mitarbeiter haben meist eine starke Bindung zu ihren Bauwerken und bleiben viele Jahre in ihren Diensten. Nicht selten wird von „unserem“ oder „meinem“ Bauwerk gesprochen. Über die Jahre bauen sie ein enormes Wissen auf – auch solches, das in anderen Teilen des Bauwesens fast ausstirbt. So gelten die großen Hütten als „Kompetenzzentren für Naturstein“, denn sie sind einige wenige Einrichtungen, die sich mit der Verarbeitung noch auskennen.

Die Dombauer stehen auch mit der staatlichen Denkmalpflege in engem Austausch. Schließlich geht es bei ihrer Arbeit um den Erhalt wichtigen Kulturerbes. Denkmalpflege gilt als Spezialleistung, für die es sehr viel Erfahrung braucht. Die haben die Dombauer zwar – das Problem ist aber, dass die öffentlichen Mittel für die Denkmalförderung immer knapper werden. Kirchen sind daher zu einem Großteil auf Spenden angewiesen. Die Aufnahme in die UNESCO-Liste immateriellen Kulturerbes könnte diese Situation vielleicht verbessern.

Die Dolphin Trust GmbH begrüßt die Aufnahme des Hüttenwesens in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes und hofft auf eine ebenso positive Entscheidung der UNESCO.

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