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Archiv für Juni, 2018

Leipzig

Die ehemalige Fabrikhalle des Kombinats Polygraph Leipzig

Ungefähr drei Kilometer entfernt vom Stadtkern liegt im Leipziger Osten das ehemalige Fabrikgelände des Kombinats Polygraph Leipzig. Von den Produktionsstätten ist nur noch ein einziges Gebäude übriggeblieben: Das Industriedenkmal in der Theodor-Neubauer-Straße 60. Seit über 20 Jahren steht das Gebäude nun leer und verfällt. Das Gelände bietet jedoch ideale Bedingungen für Wohnprojekte – die Dolphin Trust GmbH nahm als Investor daher im vergangenen Jahr die Sanierungsarbeiten auf.

Ein Gelände mit Geschichte

Das Fabrikgebäude im Leipziger Stadtteil Anger-Crottendorf hat 1873 der bekannte Industrielle Karl Krause erbauen lassen, als Teil seiner Maschinenfabrik für grafische Anlagen. Damit beginnt im Leipziger Osten die industrielle Ära, das Unternehmen wird zum größten und wichtigsten Arbeitgeber des Stadtteils. 1920 wird hier die Kopiermaschine erfunden.

In den folgenden Jahrzehnten erlebt das Unternehmen aber einige Niederschläge: Während des Zweiten Weltkrieges ist die Fabrik Ziel der Bombardierungen durch die Alliierten, 1948 wird der Betrieb schließlich durch die Armee der Sowjetunion enteignet und in Staatseigentum überführt. Fortan gehört sie zum Kombinat Polygraph Leipzig, ein Teil der Buchbindereimaschinenwerke der Messestadt.

Neuer Wohnraum: Ein 15 Millionen Euro-Projekt

Trotz allem sind die pittoreske Dachlandschaft und die Fahrstuhltürme gut erhalten, ebenso die Bausubstanz der Fassade, der Treppen und jedes der fünf Geschosse. Insgesamt liegen 7700 Quadratmeter Nutzfläche seit vielen Jahren brach. Das soll sich nun ändern.

Mehr als 100 Wohnungen entstehen in dem ehemaligen Fabrikgebäude an der Theodor-Neubauer-Straße 60. Insgesamt investiert Dolphin Trust 15 Millionen Euro in das Projekt, um neuen Wohnraum im Leipziger Osten zu schaffen. Auch Privatparkplätze sollen hier entstehen, damit zukünftige Anwohner nicht auf der Straße parken müssen. Zudem ist in einem nächsten Schritt geplant, auch das umliegende Gelände, das ebenfalls zum ehemaligen Kombinat Polygraph gehört, für Wohnbauprojekte zu nutzen: Hier sollen auf über 20.000 Quadratmetern Nutzfläche Stadtvillen mit Eigentumswohnungen entstehen. Aktuell wuchert dort noch wildes Grün.

Auf dem Fabrikgelände ist schon Leben eingekehrt

Das Industriedenkmal in der Theodor-Neubauer-Straße 60 ist nicht das einzige Gebäude, das von Karl Krause geblieben ist. Seine 1906 erbaute „Villa Krause“, in der er mit seiner Familie selbst wohnte, wurde bereits vor einigen Jahren von einem brandenburgischen Ehepaar ersteigert und saniert. Darin befinden sich heute 14 Wohnungen und drei Gewerbeflächen. Gemeinsam mit der alten Fabrikhalle und den weiteren, in Planung befindlichen, Gebäuden entsteht in Anger-Crottendorf ein neues Wohnviertel, das nicht weit entfernt von der Innenstadt zum Verweilen einlädt.

Die Dolphin Trust GmbH investiert in schützenswerte Gebäude und Denkmäler und möchte damit einen Beitrag zu ihrer Erhaltung leisten.
Bundesregierung Immo Anleger

Programm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ der Bundesregierung

Obwohl Denkmalförderung in der Hoheit der Länder liegt, engagiert sich der Bund unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ebenfalls für die Förderung vieler Kulturdenkmäler. Seit 1950 unterstützt die Bundesregierung die Erhaltung von Baudenkmälern, Bodendenkmälern, historischen Parks und Gärten in ganz Deutschland, denen aufgrund architektonischer, historischer oder wissenschaftlicher Leistungen eine herausragende Bedeutung zukommt.

Viele Denkmäler in Deutschland sind sanierungsbedürftig

Experten schätzen, dass es in der Bundesrepublik ca. 1,3 Millionen Kulturdenkmäler gibt – von Einzeldenkmälern bis hin zu ganzen historischen Stadtkernen. Die Bandbreite der Denkmalart ist dabei groß: Sowohl Kirchen, Dome, Schlösser, Burgen, Bürgerhäuser als auch Rathäuser zählen dazu. Allerdings gilt ein Drittel aller Denkmäler als gefährdet oder dringend sanierungsbedürftig. Eine wichtige Säule der Denkmalförderung und -pflege ist daher das Programm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ der Bundesregierung. Mit der Unterstützung soll die Wichtigkeit der Denkmäler für das einzigartige kulturelle Erbe in Deutschland betont werden.

Kulturinvestition ist Zukunftsinvestition

Nicht nur die nationale Identität wird durch die Erhaltung kultureller Denkmäler gefördert – auch die Wirtschaft und vor allem der Tourismus werden angekurbelt. Die Investition in Kulturdenkmäler ist daher in vielerlei Hinsicht auch eine Investition in die Zukunft. Von 1950 bis 2016 wurden bereits 650 Kulturdenkmäler unterstützt, mit einem finanziellen Gesamtvolumen von ca. 365 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurde die Förderung verschiedener neuer Projekte bekannt gegeben. Darunter befindet sich u.a. das Rathaus in Goslar, die Gartenstadt Staaken in Berlin, die historische Burg Eltz in Wierschem und die Marktkirche „Unser Lieben Frauen“ in Halle an der Saale.

Neben dem Programm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ hat die Bundesregierung 2007 ein 400 Millionen umfassendes Sonderinvestitionsprogramm ins Leben gerufen, das beispielsweise der Klassik Stiftung Weimar oder der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Berlin und Potsdam zugutekommt. Insgesamt werden in diesem Programm 284 Denkmäler gefördert.

Die Dolphin Trust GmbH hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, kulturell bedeutsame Denkmäler zu schützen und zu erhalten.
Erbe Immo Anleger

Denkmalgeschütztes Erbe abreißen? Nur unter bestimmten Voraussetzungen

Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, sind oft sehr schön – sie sind Zeugnis vergangener Jahrzehnte und Epochen. Ihr oft hohes Alter birgt aber auch bestimmte Tücken: Die Bausubstanz ist marode und muss dringend erneuert werden. Energetisch sind die alten Häuser lange nicht auf dem neuesten Stand. Zusätzlich ist das Dach vielleicht undicht. Solche oder ähnliche Situationen können auf Erben eines denkmalgeschützten Gebäudes zukommen – eine Sanierung kann schnell sehr kostspielig werden, manchmal sogar teurer als der Bau eines neuen Hauses. Grundsätzlich gilt aber in allen Bundesländern: Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude besitzt, egal ob durch Kauf oder durch eine Erbschaft, ist zu seiner Instandhaltung verpflichtet. Der Bestandsschutz bezieht sich dabei auf denjenigen Bauzustand, zu dem das Gebäude in die Denkmalschutz-Liste aufgenommen wurde.

Veränderungen müssen genehmigt werden

Denkmalschutz ist Ländersache – deshalb gibt es in jedem Bundesland ein eigenes Denkmalschutzgesetz. Dieses schreibt vor, welche Auflagen bei Umbau oder Sanierung einer denkmalgeschützten Immobilie beachtet werden müssen. Wer also im Rahmen einer Erbschaft wesentliche Veränderungen an einem denkmalgeschützten Gebäude vornehmen möchte, muss jegliche Maßnahmen genehmigen lassen. Darunter fallen beispielsweise Veränderungen der tragenden Konstruktionen, Nutzungsänderungen oder auch die Veränderung des Erscheinungsbildes der Immobilie.

Anders herum entscheidet das Denkmalschutzgesetz eines Landes aber auch über Möglichkeiten der Förderung. Der denkmalschutzrelevante Anteil an den Sanierungskosten kann sogar über eine Dauer von zwölf Jahren von der Steuer abgesetzt werden. Entsprechende Informationen kann man beim jeweiligen Amt für Denkmalschutz oder bei der Dolphin Trust GmbH einholen. Es ist ebenso möglich, aus denkmalgeschützten Immobilien eine gute Kapitalanlage zu machen. Derzeit sind Darlehen günstig, Mieteinnahmen dagegen können bei sanierten Denkmalschutzgebäuden hoch ausfallen.

Was, wenn die Kosten der Instandhaltung die Einnahmen übersteigen?

Wie oben bereits angeklungen ist, können die Kosten der Sanierung einer unter Denkmalschutz stehenden Immobilie leicht in die Höhe schießen. Wenn man ein solches Gebäude erbt, kann man in unangenehme Situationen geraten. Vor allem dann, wenn ein Haus von Grund auf sanierungsbedürftig ist.

In der Regel ist der Abriss eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes nicht erlaubt. 2006 entschied das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz jedoch, dass der Abbruch eines denkmalgeschützten Hauses zulässig ist, wenn sich die Sanierungskosten mit den möglichen Einnahmen nicht erwirtschaften lassen. Der Erhalt eines Baudenkmals sei unzumutbar, wenn der Besitzer vom Gebäude keinen vernünftigen Gebrauch machen könne. Der Begriff „Eigentum“ sei dann nicht angemessen, so die Begründung des Gerichts.

 

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